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Medizin Informatik Student entwickelt Prototyp eines Therapiehandschuhs

Simon Springmann mit seiner Entwicklung des Therapiehandschuhs. Foto: SteffenSchanz

Einen Handschuh mit dem zum Beispiel Schlaganfallpatienten das Greifen lernen können, hat Simon Springmann entwickelt. Er studierte bis Januar 2015 Medinisch-Technische Informatik in Reutlingen.

Angefangen hat alles vor über 20 Jahren. Damals, als kleiner Junge, verletzte sich Simon Springmann aus Baiersbronn im Schwarzwaldaus an der Hand. Dabei wurden die Nervenstränge durchtrennt und als Folge spürte der kleine Simon nichts mehr in der Hand. Ohne Gefühl in der Hand war es plötzlich schwer, überhaupt etwas mit der Hand fest zu halten, denn das Gefühl, wie fest man eine Tasse drücken muss, damit sie nicht aus der Hand rutscht, war weg. Für den kleinen Simon ging die Geschichte gut aus. Nach ein paar Monaten stellte sich das Gefühl glücklicherweise wieder ein.

20 Jahre später, bei der Suche nach einem Thema für die Projektarbeit seines Studiums der Medizinisch-Technischen Informatik an der Hochschule Reutlingen erinnert sich Simon Springmann an das Unglück aus seiner Kindheit und kommt auf eine geniale Idee. Ein Handschuh der misst und anzeigt, wie stark man drückt, wäre doch die Lösung.

Kleine Sensoren in den Fingerspitzen könnten den Druck messen, farbige LED Lämpchen im Handschuh würden anzeigen, wie stark man drückt. Blau für zu schwach, rot für zu stark und wenn die LED Lampe grün leuchtet stimmt alles. Als Referenz, so die Idee von Simon Springmann, dient dabei die andere, gesunde Hand. Mit ihr werden die Gegenstände, etwa ein Glas, zunächst angehoben. Dabei messen die Sensoren den Druck, gesteuert von einer Software, die die Druckwerte speichert. Hebt die Person nun den gleichen Gegenstand, etwas ein Glas mit der gefühllosen Hand, zeigen die LED Lampen an, wann man genau passend drückt, um das Glas anheben zu können ohne es zu zerbrechen.

Ein Semester tüftelte Simon Springmann, der heute in Pliezhausen wohnt, an der Idee und bis zum fertigen Handschuh und stieß auf unerwartete Probleme. Nicht die Software und Elektronik war die größte Herausforderung, sondern der Handschuh selbst. Zum einen mussten sich die Sensoren gut und fest an den Fingerspitzen montieren lassen, zum anderen musste man auch mit dem Handschuh gutes Gefühl haben, wenn man etwas in die Hand nimmt. Fündig wurde Simon Springmann schließlich im Baumarkt.

Die Software war für den Studenten der Informatik eigentlich kein Problem. Hier kannte er sich aus. Wichtig war die genaue Abstimmung zwischen der Software und den Sensoren. Denn gerade bei leichten und zerbrechlichen Dingen, wie etwas Gläsern, kommt es auf einen sehr exakten Anpressdruck an. Jedes Gramm zufiel kann schon dazu führen, dass etwa das Glas in der Hand zerbricht.

Auch wenn Simon Springmann heute den Handschuh selbst nicht braucht. Anwendungen für seine Idee gibt es genügend. Zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten, die oft auch das Gefühl in der Hand verlieren. Hier könnte ein entsprechender Handschuh bei der Therapie und Wiedererlangung des Gefühls eingesetzt werden.

"Mir ging es in erster Linie darum, aufzuzeigen, dass es möglich ist. Für einen richtigen Therapiehandschuh kann man zum Beispiel keinen Handschuh aus dem Baumarkt nehmen." Vielleicht wird ja wirklich mal was draus, meint der junge Erfinder weiter, der inzwischen sein Studium an der Hochschule Reutlingen erfolgreich abgeschlossen hat und auf Jobsuche ist. Simon Springmann jedenfalls würde sich freuen, denn dann würde seine Verletzung als Kind am Ende dazu führen, dass es vielen anderen Menschen besser geht.