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Immobilien

Politik boykottiert Vermögensaufbau mit Wohneigentum

Theodor J. Tantzen, Vorstand Prinz von Preussen Grundbesitz AG

Immobilien als lukrative Wertanlage und Altersvorsorge wird für viele Bürger zum unkalkulierbaren Risiko. Grundsteuer-Reform ist kontraproduktive Maßnahme zum Vermögensaufbau.

Ein Kommentar von Theodor J. Tantzen

In der scheinbar endlosen Ära der Nullzinsen sind die Möglichkeiten einer soliden Vermehrung des eigenen Vermögens nicht sonderlich groß. Weder der heimische Kapitalmarkt noch die internationalen Börsen geben den Bürgern die nötigen Signale, um eigenes Vermögen auf- und auch auszubauen. Es gibt eine Ausnahme: Immobilien. Sie sind mehr denn je ein höchst empfehlenswertes, solides Investment für Anleger.

Immobilien bieten solide Wertsteigerung

Auf dem Immobilienmarkt geht es längst nicht mehr nur um die krisenfeste Sicherung des Kapitals. Sprach man bisher von Betongold, versprechen mittlerweile Immobilien in guter Lage beachtliche Wertzuwächse. Seit einigen Jahren sind Immobilien in Metropolregionen als auch in attraktiven Standortgebieten eine sehr respektable Anlage. Wertsteigerungen in diesen Regionen von zehn Prozent im Jahr sind derzeit die Regel.

Politik begrenzt individuellen Vermögensaufbau

Doch wer hat tatsächlich die Möglichkeit, sich Hauseigentum zuzulegen? Seit Jahren liegt der Anteil der Immobilienbesitzer in Deutschland konstant bei rund 47 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich nicht unbedingt ein vorzeigbares Aushängeschild. Trotz massivem Wohnungsmangel hat die Politik eine Steigerung der Quote der Immobilienbesitzer offensichtlich nicht auf der Agenda.

Bisher waren die finanziellen Rahmenbedingungen aufgrund der Niedrigzinsen ausgesprochen vorteilhaft. Nullzinsen beflügeln in der Baubranche das Investitionsklima. Doch die Politik handelt kontraproduktiv: Mit Erhöhungen der Grunderwerbsteuer belasteten einzelne Bundesländer in den vergangenen Jahren das Budget der Kaufwilligen erstmals. Was Bauherren an Bankzinsen für ihre Kredite einsparten, ging somit - etwa in Nordrhein-Westfalen - über die Steuer in den Länderhaushalt. Individueller Vermögensaufbau durch Eigentumserwerb ist da nur begrenzt möglich.

Risiko Grundsteuer-Reform

Die geplante Reform der Grundsteuer wird Immobilienbesitzer stark belasten. Erste Auswertungen zeigen, dass die neugeregelte Grundsteuer gerade in den Großstädten den Immobilienbesitzer und die Mieter teuer zu stehen kommen wird: Erste Berechnungen des Eigentümerverbandes "Haus und Grund" gehen von einer beträchtlichen Kostensteigerung bei der Grundsteuer - etwa in Berlin und Leipzig - von über 600 Prozent aus. In Dresden wurde für ein Einfamilienhaus sogar eine Steigerung von 4.800 Prozent errechnet. Wer glaubt da noch an das hehre Versprechen der Aufkommensneutralität? Höhere Steuern werden vermutlich auch künftig über die Nebenkosten auf die Mieter durchschlagen. Sicher ist, die neue Grundsteuer wird die Investitionen in der Baubranche stark bremsen.

Mit diesem Vorgehen können sich sicherlich nur die verschuldeten Kommunen komfortabel sanieren. Vergessen unsere Politiker, dass das Wohnen in Metropolregionen ohnehin schon in den letzten Jahren immer teuerer geworden ist? Als seien fehlendes Bauland und der Mangel an Fachkräften alleine nicht schon branchenhemmend genug.

Wie sollen Bürger derzeit Vermögen aufbauen? Seit Jahren propagiert unsere Regierung unablässig, dass angesichts der demografischen Entwicklung der individuelle Vermögensaufbau für die Altersversorgung unverzichtbar sei. Wer sich auf die Gesetzliche Rentenversicherung alleine verlässt, dem drohen im Alter später mitunter existentielle Sorgen.

Wer überhaupt Geld zur Anlage erübrigen kann, wer riskante Börsengeschäfte scheut, der findet derzeit am Geldmarkt keine lukrativen Anlagemöglichkeiten. Wer sich entscheidet, stattdessen Wohneigentum zu erwerben, steht nun vor einem ungeahnten Kalkulationsrisiko: der neuen Grundsteuer.

Kluft in der Gesellschaft wächst weiter

Es verwundert nicht, dass hierzulande die Kluft beim Vermögen der Bürger immer größer wird. Reichtum ist heute schon höchst ungleich verteilt, bilanzierte jüngst die Bundesbank. Hohes Vermögen hängt unweigerlich mit Immobilienbesitz zusammen. Es ist am naheliegendsten, dass der Mittelstand in die Lage versetzt werden muss, Wohneigentum zu erwerben. Mit den gewaltig steigenden Belastungen dürfte die neue Grundsteuer einer breiten Bevölkerungsschicht aber die Chance nehmen, Vermögensaufbau durch Immobilienerwerb zu betreiben - und das in einer historischen Niedrigzinsära. Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik über die Folgen ihrer Grundsteuer-Reform klar wird. Wer - etwa in der Altersversorgung - weniger Staat will und mehr finanzielle Vorsorge der Einzelnen fordert, der muss in der Politik auch die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Derzeit ist dies leider nicht der Fall.

 

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