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Homosexualität: Diskriminierung macht krank! Int. Tag gegen Homophobie als Beitrag zur Gesundheitsförderung

Gemeinsam die Gesundheit von Lesben und Schwulen zu stärken,
sollte eines der Ziele am Internationalen Tag gegen Homophobie
sein.

Münster - Nur ein starkes gesellschaftliches Bewusstsein und solidarisches
Miteinander kann die möglichen Folgen antihomosexueller
Gewalt und Diskriminierung mindern. Psychotherapeutische
Beratungs- und Therapieangebote müssen hier ebenso ihren Beitrag
leisten.

Nach jahrelangen gesellschaftlichen und fachlichen Debatten entschloss
sich die Weltgesundheitsorganisation am 17. Mai 1990 dazu, Homosexualität
aus dem Krankheitskatalog zu streichen. Seit acht Jahren gilt
dieses Datum als Internationaler Tag gegen Homophobie. Doch negative
Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen und deren Lebensweise
sind nach wie vor deutlich präsent. Rund ein Drittel der Deutschen
lehnt Homosexualität noch immer komplett ab. Diese Haltung
kann im ländlichen Raum soweit führen, dass vielen Homosexuellen ein
Leben nach ihrem Coming-out aufgrund des sozialen Drucks in ihrer
Heimat nicht mehr möglich ist.

"Egal ob psychisch oder physisch ausgeübt, Diskriminierung und Übergriffe
bedingen bei Schwulen, Lesben und Transgendern immer ein erhöhtes
Risiko, an Depressionen und Ängsten, Suizidalität oder Süchten
zu leiden" berichtet Professor Philipp Hammelstein von der Christoph-
Dornier-Klinik in Münster. Der leitende Psychologe kennt dies aus seiner
langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Homosexuellen.

"Lesben und Schwule sind in ihrer Entwicklung vielen Quellen der Ablehnung
und Diskriminierung ausgesetzt, sei es durch Mitschüler, Lehrer,
Familienmitglieder, Vertreter von Religionen oder den Medien. Es ist
für homosexuelle Heranwachsende kaum möglich, Teile dieser Ablehnung
nicht zu verinnerlichen. Das Ergebnis dieses Prozesses nennen
wir verinnerlichte Homonegativität. Dies bleibt ein Leben lang eine Achillesferse".

Die so in Schwulen, Lesben und Bisexuellen verankerten Selbstzweifel
in Verbindung mit dem Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören,
stellen eine hohe emotionale Belastung für viele Betroffene dar.

So wird das Risiko von homo- und bisexuellen Männern für Suizidalität
und Depression in internationalen Studien auf zwei bis acht mal so hoch
eingeschätzt, wie das von heterosexuellen Männern.

"Lesben und bisexuelle Frauen sind im Vergleich stärker von Generalisierten
Angststörungen und bestimmten Süchten betroffen", weiß Professor
Hammelstein. Es ist nicht nur das Ausmaß der verinnerlichten
Ablehnung der eigenen sexuellen Orientierung sondern auch die tatsächlichen
Diskriminierungserfahrungen im Alltag, die mit der höheren
psychischen und physischen Belastung homo- und bisexueller Menschen
einhergehen. Abgepuffert wird dieser Zusammenhang nur durch
eine ausreichende soziale Unterstützung.

"Mit unserem psychotherapeutischen Ansatz können wir hier individuell
auf die Probleme eingehen und in relativ kurzer Zeit erfreuliche Therapieergebnisse
erzielen."

Dabei betont der Psychotherapeut, dass es für das Selbstbewusstsein
der Patienten wichtig ist, nicht nur Akzeptanz innerhalb der Familie und
aus der Gesellschaft heraus zu erfahren. Entscheidend ist vor allem,
dass der Kontakt zu einem im Umgang mit Homosexuellen qualifizierten
Therapeuten aufgenommen wird. Doch gerade diese Kompetenz ist es,
die in der Ausbildung von Ärzten und Psychotherapeuten meist zu kurz
kommt, bedauert Professor Hammelstein.

Um einen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Homosexuellen zu leisten,
ist daher jeder aufgerufen, eigene Vorbehalte abzubauen und für
ein tolerantes Miteinander einzustehen.

Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie