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GIN-Jahresrück- und Ausblick: Bedarfsgerechte Bauteilqualität ist der Schlüssel zum Erfolg

Der Sachverständige Dipl.-Ing. Ralf Stoodt ist Obmann im Güteausschuss des GIN(c)Andrea Nuding,GIN,Ostfildern

Interview mit dem Sachverständigen Dipl.-Ing. Ralf Stoodt, Obmann im GIN-Güteausschuss

Die Mitgliedsunternehmen der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. blicken auf ein bewegtes Jahr zurück, in dem der Interessenverband Nagelplatten e.V. (GIN, Ostfildern; http://www.nagelplatten.de ) zahlreiche Maßnahmen zur Potenzialausschöpfung initiiert hat. Über Perspektiven für Dachtragwerke aus Nagelplattenbindern, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -optimierung sowie Herausforderungen, vor denen Binderhersteller und Montagebetriebe 2017 stehen, äußert sich im Interview der Sachverständige Dipl.-Ing. Ralf Stoodt, Obmann des GIN-Güteausschusses.

Redaktion:
Herr Stoodt, der Holzbau erlebt einen regelrechten Nachfrage-Boom. Konnten die Hersteller von Nagelplattenbindern im vergangenen Jahr von dieser Marktentwicklung profitieren?
Ralf Stoodt:
Durchaus! Am stärksten zeigt sich der Trend zum Holz im Wohnbau, vor allem beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern: Viele Holzfertighaushersteller haben volle Auftragsbücher und greifen umso lieber auf maßgenau vorgefertigte Nagelplattenbinder für das Dachtragwerk zurück. Etliche Zimmereibetriebe, die oft auch Hausanbieter sind, beziehen die benötigten Nagelplattenbinder ebenfalls von den güteüberwachten Herstellern im GIN, um auf der Baustelle das Tragwerk selbst zu montieren. Auf diese Weise können sie ihre Fertigstellungszusagen leichter einhalten und sich um weitere Bauvorhaben kümmern.

Redaktion:
2015 hat der GIN ein Bonner Marktforschungsinstitut mit der Erstellung einer empirischen Studie über die Marktverhältnisse im Tragwerksbau beauftragt. Wie werden die gewonnenen Erkenntnisse genutzt?
Ralf Stoodt:
2016 war es dem GIN ein zentrales Anliegen, Ergebnisse der Marktforschung so aufzubereiten, dass sie die Verbandsmitglieder zur Ausrichtung Ihrer Aktivitäten in dem sich wandelnden Markt zielführend nutzen können.

Redaktion:
Wie hat sich das ausgewirkt?
Ralf Stoodt:
Vor allem im Segment des Wohnungsneubaus sowie bei der Aufstockung von Bestandsgebäuden in städtischen Lagen konnten GIN-Mitgliedsfirmen erfreuliche Auftragszugewinne verbuchen. Darüber hinaus haben mehrere Binderhersteller auf die gesteigerte Nachfrage nach vorgefertigten Komplettlösungen von Nagelplattenbinder-Dachstühlen und weiteren Bauprodukten aus Holz mit einer deutlichen Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten reagiert und sich dabei zusätzlich auch neue Marktsegmente erschlossen.

Redaktion:
Was wird Neues hergestellt?
Ralf Stoodt:
Neben maßgenau vorgefertigten Nagelplattenbindern für Dachtragwerke werden von immer mehr GIN-Mitgliedern jetzt auch vorelementierte Geschossdecken sowie montagefertig gedämmte Außen- und Innenwände in Holzrahmen- bzw. Holztafelbauart angeboten.

Redaktion:
Welche Abnehmer haben die Hersteller dabei im Blick?
Ralf Stoodt:
Das Angebot richtet sich in erster Linie an expandierende Hausbauunternehmen, die zur Bewältigung ihrer Aufträge auf maßgenau vorgefertigte Wand-, Decken- und Tragwerkselemente setzen. Dabei handelt es sich überwiegend um Holzbaubetriebe. Erstaunlicherweise kommen Anfragen aber auch von Bauträgern, die Häuser eigentlich konventionell - also Stein auf Stein - errichten. Offensichtlich leiden sie unter dem Fachkräftemangel am Bau, der sich unter anderem am Fehlen qualifizierter Maurer und Poliere bemerkbar macht. Folglich werden immer mehr Wohnhäuser vollständig oder in Hybrid-Bauweise unter Verwendung von Elementen in Holzrahmen- bzw. Holztafelbauart errichtet. Dass dabei häufig Nagelplatten als Holzverbindungsmittel eingesetzt werden, freut uns natürlich.

Redaktion:
Die vorgefertigten Decken- und Wand-Elemente können Hausbauunternehmen ebenso wie Nagelplattenbinder bei den betreffenden GIN-Mitgliedern passend zum jeweiligen Bauvorhaben aus einer Hand beziehen?
Ralf Stoodt:
Richtig! Diese Entwicklung trägt der stark gewachsenen Nachfrage nach montagefertigen Holzprodukten am Bau Rechnung. Die Kapazitätserweiterung betrifft in erster Linie Hersteller in Norddeutschland, wo die Handwerkerdichte deutlich geringer als im Süden ist und sich der Fachkräftemangel umso stärker bemerkbar macht. Aber auch in Süddeutschland, vornehmlich in Baden-Württemberg und Bayern, ist ein verstärkter Trend zur Vorelementierung zu verzeichnen, auf den GIN-Mitglieder dort natürlich gleichfalls reagieren.

Redaktion:
Wenn die Entwicklung am Bau generell in Richtung One-Stop-Shopping geht und Tragwerksbinder, Innen- und ggfs. auch Außenwände sowie die Geschossdecken immer öfter aus einer Hand kommen, wie wirkt sich das auf die Sicherung der Montagequalität aus?
Ralf Stoodt:
Die Wirtschaftlichkeit erhöht sich aufgrund der Verkürzung der Bau- und Montagezeiten. Damit geht zugleich eine Erhöhung der Ausführungsqualität einher. Dies vor allem, wenn die neuen Möglichkeiten der RAL-Gütesicherung der GIN umgesetzt werden. Das "RAL-Gütezeichen 601 Nagelplattenprodukte" - entweder als Ganzes oder in Teilen (Teil I = Herstellung, Teil II = Montage) - führt zur Qualifizierung und nachvollziehbaren Qualitätssicherung nicht nur bei der Herstellung der Nagelplattenbinderkonstruktionen, sondern sinnvollerweise auch bei deren Montage. RAL-Gütezeichen 601, Teil II ebnet vor allem kleineren holzbe- und verarbeitenden Handwerksbetrieben den Zugang zum Markt. In der Holzbaubranche wird das differenzierte Angebot hervorragend angenommen.

Redaktion:
Die Zukunft gehört aus Ihrer Sicht also dem vorelementierten Bauen?
Ralf Stoodt:
Im Holzbau mit Sicherheit. Schauen Sie nur, was durch intelligente Vorfertigung auch im Nichtwohnbau bereits möglich ist: Neue Supermärkte beispielsweise werden innerhalb kürzester Zeit komplett überdacht, wenn das Tragwerk aus Nagelplattenbindern besteht. Dabei sind der architektonischen Gestaltungsfreiheit keine Grenzen gesetzt, wie einige extravagante Dachformen in Nagelplattenbinderbauweise anschaulich belegen.

Redaktion:
Die qualitätssichernden Maßnahmen des Verbandes haben zweifelsohne ihren Anteil daran, dass unter den schätzungsweise 80 Nagelplattenbinderherstellern in Deutschland vor allem GIN-Mitglieder von Bauträgern und Hausbauunternehmen als Zulieferer gewählt werden. Wie viele Mitglieder hat der GIN eigentlich zurzeit?
Ralf Stoodt:
Zehn Prozent mehr als 2015! Wir haben 2016 fünf Neumitglieder aufnehmen können, so dass wir mit 55 Mitgliedsbetrieben ins neue Jahr starten. Darunter sind elf reine Montage-Betriebe, also Zimmereien und Dachdeckerbetriebe, die Dachtragwerke aus Nagelplattenbindern nach Maßgabe des RAL-Gütezeichens 601, Teil II errichten. Der Qualitätsanspruch des GIN, die RAL-gütegesicherte Binderherstellung um die RAL-gütegesicherte Montage zu ergänzen, hat den Bedarf genau getroffen. Davon zeugen auch die sehr gut besuchten GIN-Seminare, die wir in 2017 natürlich wieder anbieten werden.

Redaktion:
Können Sie schon Termine nennen?
Ralf Stoodt:
Wir bieten Seminare für Planer, Architekten und Ingenieure am 6. März 2017 in der Uni Stuttgart sowie am 30. März in der TU Braunschweig. Einzelheiten werden in Kürze im Internet auf www.nagelplatten.de bekanntgegeben.

Redaktion:
Welche Eigenschaften von Nagelplattenbinderkonstruktionen sind aus Ihrer Sicht für das strategische Marketing der GIN-Mitglieder zukünftig besonders wichtig?
Ralf Stoodt:
Grundsätzlich erwartet der GIN von Binderherstellern die ausschließliche Verwendung von nach Festigkeit sortiertem, technisch getrocknetem Bauholz sowie den Verzicht auf chemische Holzschutzmittel. Für weit gespannte Binderkonstruktionen ausgedehnter Gebäude hat der GIN zusammen mit der TU München eine Leitlinie zur Aufstellung von Brandschutzkonzepten für weitgespannte Dachkonstruktionen aus Nagelplattenbindern entwickelt. Dem Projekt liegt eine intensive Erforschung des Brandverhaltens von Nagelplattenbinderkonstruktionen zugrunde. Für Gebäude, an die Brandschutzanforderungen gestellt werden, sind damit wirtschaftliche Lösungsmöglichkeiten für die objektspezifische Ausführung verbunden. Der wissenschaftliche Schlussbericht sowie ein übersichtlicher Leitfaden für Architekten und Planer sind im Internet unter http://www.nagelplatten.de/downloads.php verfügbar.

Weitere Informationen sind bei der Geschäftsstelle des GIN erhältlich: Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und Interessenverband Nagelplatten e.V. c/o FORUM HOLZBAU, Hellmuth-Hirth-Str. 7, 73760 Ostfildern, Fon 07 11/2 39 96-67, Fax 07 11/2 39 96 66, E-Mail GIN@nagelplatten.de, Web: http://www.nagelplatten.de

Über den GIN
>Starke Verbindungen!< Nach dieser Maxime handeln die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und der Interessenverband Nagelplatten e.V. für mittlerweile 55 Hersteller und Verarbeiter von Nagelplatten und Nagelplattenprodukten: "Nagelplatten werden vor allem im Dach- und Wandbereich von Wohnhäusern, Supermärkten, Gewerbe-, Produktions- und Lagerhallen, landwirtschaftlichen Gebäuden, öffentlichen Einrichtungen wie Sporthallen sowie für Brückenschalungen etc. als extrem belastbare Verbindungsmittel eingesetzt", erläutert GIN-Geschäftsführer Thomas Schäfer.

Das "RAL-Gütezeichen Nagelplattenprodukte" führen alle Betriebe, die auch Mitglied der Gütegemeinschaft sind. Das Gütezeichen Nagelplattenprodukte bürgt so für sichere, maßgenau hergestellte Verbindungen von Holzelementen mit einer Spannweite von bis zu 35 m sowie für die fachgerechte Montage gebäudespezifischer Tragsysteme von allerhöchster, dauerhafter Qualität.

Gemeinnützig und solidarisch unterstützt der GIN seine Mitgliedsfirmen. Zugleich ist der Interessenverband Ansprechpartner und Auskunftsquelle für Architekten, Hausbauunternehmen, Bauämter, Zimmerei-, Dachdecker- sowie weitere Handwerksbetriebe, die Nagelplatten und Nagelplattenprodukte bei der Verwirklichung unterschiedlichster Bauvorhaben konstruktiv verwenden. 1982 gegründet, gehört der GIN der Verbändegemeinschaft FORUM HOLZBAU an, hat seinen Sitz in Ostfildern bei Stuttgart und wird von Jochen Meilinger (1. Vors.), Kay-Ebe Schnoor (2. Vors.) und Thomas Schäfer (Geschäftsführer) vertreten.