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Mehr Schutz für Verbraucher - innovative Toxizitäts-Tests eines Hongkonger Start-up-Unternehmens

Die beiden von Vitargent entwickelten Toxizitäts-Tests haben frischen Wind in die Test-Technik gebracht. Foto: Vitargent

Das Hongkonger Start-up Vitargent (International) Biotechnology Ltd. hat mit seinen innovativen Toxizitäts-Tests frischen Wind in die Test-Technik gebracht.

Gegründet 2010 in Guangzhou von Eric Chen, Absolvent der City University of Hong Kong, hat Vitargent zwei Typen von Tests auf Basis eines Fischembryonen-Modells entwickelt: einen für toxische Stoffe und einen weiteren für endokrin wirksame Chemikalien. Die Tests werden mit Fischembryonen der Arten Medaka- und Zebrafisch durchgeführt und eignen sich für Lebensmittel, Plastik und Kosmetik.

Die Technologie hinter dem Toxizitäts-Test, der Embryonen des Medakafisches einsetzt, wurde zusammen mit der technischen Leiterin des Unternehmens, Chen Xueping, entwickelt. Ihr kam die Idee dazu im Zuge des Milchpulverskandals auf dem chinesischen Festland im Jahr 2008, bei dem sechs Kinder starben und 300.000 erkrankten , nachdem sie Milchpulver mit Melamin getrunken hatten.

"Der Toxizitäts-Test ist von Bedeutung, da von den über 87.000 kommerziell vorhandenen Chemikalien eine steigende Zahl als endokrin wirksam klassifiziert werden. Das heißt, sie haben das Potential, ein funktionierendes endokrines System zu stören," erläutert der Chief Executive des Unternehmens, Jimmy Tao. "Endokrine Störungen werden mit Gesundheitsproblemen wie frühe Pubertät, Krebs, Fettleibigkeit, neurologische Störungen und verminderte Fruchtbarkeit bei Männern in Verbindung gebracht."

Durch das Hinzufügen von genetischem Material zu den Fischembryonen kann Vitargent mehr als 1.000 Toxine gleichzeitig screenen. Nach dem 24stündigen Test zeigt ein Leuchten der Fischembryonen die Anwesenheit von Chemikalien mit östrogener Wirkung an. Je stärker sie fluoreszieren, desto stärker sind die enthaltenen Toxine.

Der Einsatz von Fischen für Tests ist weltweit verbreitet. So steigt speziell die Anzahl von Tests mit Zebrafischen, da diese mehr als 80 Prozent ihrer DNA mit dem Menschen teilen.

Der Toxizitäts-Test von Vitargent kommt in verschiedenen Feldern zum Einsatz, darunter in Lebensmitteln und Getränken sowie bei der Abwasser-Überwachung. "Zebrafisch-Modelle ahmen menschliche metabolische Aktivitäten nach, was dazu führt, dass die Fischembryonen innerhalb von 24 bis 48 Stunden reagieren. Dabei entstehende Defekte ermöglichen es, die Toxizität von Produkten auf den Fisch und seine potentiellen Effekte beim Menschen zu prognostizieren", so Tao.

Das Interesse an dem Unternehmen ist wegen der Vielseitigkeit und Exklusivität der Tests groß: "Unsere Technologie kann für Tests zur Produktsicherheit in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Wir bieten damit eine umfassende und kostengünstige Lösung verglichen mit traditionellen Tests für die Produktsicherheit, die nur fünf bis zehn Toxine zur selben Zeit testen können", erläutert Tao. Als erstes akkreditiertes Testlabor in Asien, das in-vivo Fischembryonen-Toxizitäts-Screenings anbietet, lizensiert Vitargent seine Technologie auch an Hersteller und bietet In-House-Tests an. Laboratorien, Universitäten, Regierungsbehörden, multinationale Kosmetikfirmen und Lebensmittelhersteller sind Partner von Vitargent.

Nach Aussage von Jimmy Tao wurde das Unternehmen mit dem einfachen Ziel gegründet, die Produktsicherheit zu erhöhen. Vor allem auf dem chinesischen Festland gäbe es erhebliche Geschäftschancen, da dort weniger strenge Regeln für die Lebensmittelsicherheit gelten. "Mit der wachsenden Besorgnis der Öffentlichkeit nach dem Milchpulverskandal sowie Öl- und Weichmacherskandalen, gehen wir davon aus, dass die meisten Sicherheitsrisiken von unbekannten oder nicht ausreichend regulierten Chemikalien ausgehen," zeigt sich Tao überzeugt. Man könne mit den Vitargent-Tests Rohmaterialien, die sich in vielen Verbrauchsgütern fänden, testen. Dazu gehörten etwa Milchprodukte, Fleisch, Speiseöl, Kosmetik, Pflegeprodukte und das Prüfen von Trinkwasser.

Bisher beruht ein Großteil der Test für Verbrauchsgüter auf chemiespezifischen Eigenschaften, speziell chemischen Analysen. "Während die Tests auf bestimmte Chemikalien sehr sensibel und exakt sein können, sind diese weniger effizient und akkurat beim Finden von unbekannten Toxinen und den potentiellen toxischen Effekten aus einer Kombination von Chemikalien", betont Tao. Die Toxizität von einigen der 87.000 kommerziell erhältlichen Chemikalien sei bisher nicht gründlich untersucht worden. "Viele dieser Chemikalien können versuchsweise oder versehentlich in die täglichen Gebrauchsgüter gelangen. Daher ist das Aufrechterhalten der Sicherheit eine große Herausforderung für die moderne Testindustrie geworden."

Das Unternehmen will nicht nur den Standard für Tests zur Lebensmittelsicherheit in der Region festlegen, sondern auch weltweit zur Marke werden. "Obwohl Fischembryonen-Tests bereits weit verbreitet sind, ist Vitargent das erste und einzige Unternehmen, das diese Technik für Verbrauchsgüter einsetzt." Dafür hat das Unternehmen bereits Anerkennung gefunden. Es erhielt 2015 einen Grand Prix Award bei der "43rd International Exhibition of Inventions" in Genf.